30.06.2026
Der Moment, für den ich drei Mal nach Madeira gereist bin.
Drei Reisen. Unzählige Wetterkarten. Und trotzdem war ich mir nie sicher, ob es diesmal funktionieren würde.

Mehr als nur Glück.
Nach meiner ersten Reise wollte ich verstehen, warum der Wald an manchen Tagen wie aus einem Märchen wirkt und an anderen einfach nur ein schöner Wald ist.
Ich begann, mich mit Einheimischen zu unterhalten, Reiseberichte zu lesen, Wetterkarten zu vergleichen und Webcams zu beobachten. Langsam entstand ein Bild. Mir wurde klar, dass nicht nur Wolken oder Nebel entscheidend sind. Es braucht das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, damit der Fanal seine beeindruckendste Seite zeigt.
Und trotzdem blieb immer eine Unsicherheit.
Denn selbst wenn scheinbar alles passt, entscheidet die Natur am Ende selbst.
Die dritte Reise.
Nach meiner ersten Reise hatte ich den Fanal erlebt. Nach der zweiten begann ich langsam zu verstehen, wie dieser Ort funktioniert.
Im April 2026 kehrte ich schließlich mit meiner eigenen Fotoreise nach Madeira zurück. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, die Bedingungen richtig einschätzen zu können. Schon Tage vorher sahen die Wetterkarten vielversprechend aus. Als wir uns schließlich auf den Weg machten, schien alles zu passen. Doch je näher wir dem Fanal kamen, desto klarer wurde:
Kein Nebel. Strahlender Sonnenschein.
Natürlich war ich enttäuscht. Nicht in erster Linie für mich selbst, sondern weil ich mir nichts sehnlicher gewünscht hatte, als meinen Teilnehmern genau diesen besonderen Moment zu zeigen. Schließlich hatte ich inzwischen das Gefühl, den Wald verstanden zu haben.
Aber genau das ist der Punkt. Die Natur hält sich selten an den Plan. Anstatt den Tag abzuhaken, entschieden wir uns spontan, unsere Route zu ändern und am Abend noch einmal zurückzukehren.
Diesen Moment werde ich nie vergessen.
Als wir die letzte Kurve vor dem Wald erreichten, konnte ich den Nebel bereits zwischen den Bäumen erkennen.
Ich habe mich in diesem Moment ehrlich gesagt gefreut wie ein kleines Kind.
Für die nächsten Stunden wechselten sich dichter Nebel, einzelne Sonnenstrahlen und immer neue Lichtstimmungen ab. Mal verschwanden ganze Baumgruppen im Weiß, wenige Minuten später fielen einzelne Lichtstrahlen durch die Äste und verwandelten den Wald in eine Kulisse, die fast unwirklich wirkte.
Das Beeindruckendste war aber etwas anderes.
Während tagsüber oft mehrere hundert Besucher durch den Fanal laufen, wurde es gegen Abend plötzlich ruhig. Nur noch wenige Menschen waren unterwegs. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, den Wald so erleben zu können, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte.
Ein Ort, der Respekt verdient.
Der Fanal ist weit mehr als ein beliebtes Fotomotiv. Viele der Lorbeerbäume dort sind mehrere hundert Jahre alt. Sie standen bereits dort, lange bevor wir begonnen haben, sie zu fotografieren. Gerade deshalb sollten wir diesen Ort mit Respekt behandeln.
Leider habe ich während meiner Reisen immer wieder gesehen, wie Menschen auf Äste klettern, Bäume beschädigen oder Absperrungen ignorieren – nur für ein Foto. Einige Bereiche mussten deshalb bereits eingezäunt werden. Ich hoffe sehr, dass der Fanal auch in Zukunft für alle zugänglich bleibt.
Dafür trägt jeder Besucher ein Stück Verantwortung.
Was ich aus drei Reisen mitgenommen habe.
Rückblickend waren nicht die Bilder das Wertvollste. Es war der Weg dorthin.
Ich habe gelernt, dass Vorbereitung unglaublich wichtig ist. Dass Wetterkarten und Webcams helfen können. Aber auch, dass sich manche Dinge niemals vollständig planen lassen.
Manchmal braucht es einfach Geduld. Manchmal den Mut, den ursprünglichen Plan noch einmal zu ändern. Und manchmal wird man genau dafür belohnt. Vielleicht ist genau das die größte Faszination des Fanal. Manche Momente lassen sich einfach nicht planen. Man muss bereit sein, auf sie zu warten.
Der nächste besondere Moment wartet vielleicht schon.
Manche Orte vergisst man nie. Vielleicht entdecken wir den nächsten gemeinsam.
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